Ein letzter Besuch im Waisenhaus CEHBED

Bereits im November 2015 habe ich das Waisenhaus CEHBED in Adétikopé (Nähe Lomé) besucht und dort zwei Tage mit den Waisenkindern verbracht. Durch meinen Freund Jean-Luc, der drei Monate als freiwilliger Helfer in diesem Waisenhaus gearbeitet hat, bevor er nach Kpalimé kam, bin ich auf das Waisenhaus aufmerksam geworden, das sich sehr von den anderen Waisenhäuser, die ich sonst noch kennenlernen durfte, unterscheidet.

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Arnaud, Jean-Luc, Marie, Mawussi Celestin und ich

Das Waisenhaus heißt eigentlich „La solution“ („Die Lösung“) und wird von der NGO „CEHBED“ (Centre Humanitaire pour bien être des enfants délaissés= Humanitäres

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Eingang des Waisenhaus CEHBED

Zentrum für das Wohl vernachlässigter Kinder) geführt, die im Jahr 2000 von einem protestantischen Pastor, dem Waisenhausdirektor Mawussi Celestin, ins Leben gerufen wurde.

Seit dem Jahr 2000 baut der Direktor nun an dem Waisenhaus und behütet etwa 70 Waisenkinder im Grundschulalter bis zur Volljährigkeit.

Bereits im November musste ich die großen Missstände und Probleme im Waisenhaus wahrnehmen und habe mich lange mit dem Direktor unterhalten. „Es gibt drei Groß-Probleme: Essen, Gesundheit und Schulgeld!“, so der Waisenhausdirektor. In Lomé sammelt er Essensreste in Cafeterias und Restaurants für die Kinder, in der benachbarten Krankenstation, wo seine kranken Kinder behandelt werden hat er hohe Schulden und das jährliche Schulgeld kann er auch kaum für die 70 Waisen stemmen. Es mangelt an allem! Es gibt kein Personal, außer einer Köchin, die für 70 Waisenkinder drei Mahlzeiten am Tag zubereitet,

von staatlicher Seite erhält das Waisenhaus keinerlei Unterstützung und die Waisenkinder werden immer mehr. Nachts sammelt der ehemalige Pastor die Kinder auf dem „Grand Marché“ von Lomé auf, er erklärt mir, dass es schwer sei, die Kinder aufzuspüren. Tagsüber schlafen sie, nachts kommen sie raus und stehlen letzte Essensreste um zu Überleben.

Im Waisenhaus bekommen die Kinder drei warme Mahlzeiten, gehen in die Schule und werden im Krankheitsfall grob medizinisch versorgt. Das Waisenhaus finanziert sich durch ausländische Spender und einem Legehennen-Stall von „Orphelins du monde“, wo 3000 Legehennen Eier legen, die dann verkauft werden.

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3 Ställe mit 3000 Legehennen

Die hygienischen Verhältnisse sind schockierend, alles ist voll mit tausenden von Fliegen, sanitäre Anlagen sind katastrophal und die Schlafsäle der Kinder sind noch schockierender. Viele Moskitonetzte haben riesige Löcher, Matratzen sind komplett

verschmutzt, mehrere Kinder teilen sich ein Bett. Doch das schlimmste, meiner Ansicht nach, ist das mangelnde Personal oder der Mangel an freiwilligen Helfern, die den Kindern eine Richtung vorgeben. Die meiste Zeit sind die Kinder sich selbst überlassen.

Eine Runde Lollys für alle…

Bereits im November habe ich mit Jean-Luc lange über die Situation in diesem Waisenhaus diskutiert, zu einer Lösungsstrategie kamen wir dabei nicht wirklich.

Auch danach noch, habe ich lange überlegt, wie ich das Waisenhaus und die Kinder unterstützen könnte.

Kurz vor meiner Abreise bin ich nun noch einmal hingereist und habe eine kleine Spende von 250 Malaria-Schnelltests und Verbandsmaterial für die kleine Waisenhaus-Notfallapotheke übergeben.

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250 Malaria-Schnelltests für das Waisenhaus CEHBED

 

Seit November hat sich einiges verändert. Es gibt jetzt einen kleinen Kinderspielplatz und eine neue Mauer, mit Sprüchen, die zum Nachdenken anregen sollen.

Einige neue Kinder sind dazugekommen, wie z.B. die zweijährige Pascaline. Das kleine Mädchen wurde am Ostersonntag von ihrer Mutter ins Büro des Direktors gebracht, dort auf den Tisch gesetzt und kommentarlos zurück gelassen. Die Mutter ist geflüchtet und es fehlt bis jetzt jede Spur von ihr. Da man nichts über das Kind weiß, haben die Kinder P1120354beschlossen, das Mädchen nach dem Osterfest zu benennen. Das österliche Fest heißt auf Französisch „La fête pascale“, somit haben sie das Mädchen „Pascaline“ genannt. Das kleine Mädchen hat mich mit seinen großen Augen freudig angelächelt und ich musste mit den Tränen kämpfen, als mir der Direktor seine Geschichte erzählt hat …

 

Wer über Möglichkeiten und Mittel verfügt, das Waisenhaus CEHBED zu unterstützen, wendet sich bitte direkt an den Direktor Herrn Mawussi Celestin:

E-Mail: cehbed69@yahoo.fr

Youtube Video “CEHBED”: Video CEHBED

 

 

 

 

 

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Mein Abschied im Solidarité und bei den Missionarinnen der Nächstenliebe

Anlässlich meines letzten Arbeitstages habe ich mir für meine Arbeitskollegen im Solidarité noch einen besonderen Leckerbissen überlegt. Am Ende wurde es eine Auswahl deutsch-togoischer Köstlichkeiten.

Bei meinem deutschen Bekannten, der einen Elektro-Ofen zu Hause hat, habe ich zwei Bleche Mango-Streuselkuchen und einen Schokoladenkuchen gebacken. Hefekuchen backt man in Deutschland ja gewöhnlich mit saisonalen Früchten, also was bietet sich da besser an, als frische Mangos? Nach dem Motto „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ habe ich also Mango-Streuselkuchen nach Großmutters Rezept gebacken, was letztlich auch ein großer Erfolg war. Pauline, die Köchin der Krankenhauskantine hatte noch „Jus de Bizapp“ (Hibiskusblüten-Eistee) vorbereitet und so habe ich schließlich meinen Abschied im Solidarité gefeiert.

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Mango-Streuselkuchen und Schokoladenkuchen in der Maternité

Der Mango-Streuselkuchen und auch der Schokoladenkuchen kamen super gut an, auch wenn es für die meisten ein Geschmackserlebnis der besonderen Art war.Kuchen oder  Torten, wie bei uns in Deutschland gibt es gar nicht und auch Schokolade gibt es nur für einen saftigen Preis meist aus Frankreich importiert.Eigentlich eine Schande, wenn man bedenkt, dass in Togo viel Kakao angebaut und geerntet wird.

Eine aufregende Zeit mit vielen Höhen und Tiefen geht zu Ende und der Abschied von meinen lieben Kolleginnen und Kollegen fiel mir sehr schwer. Wir waren ein eigespieltes Team und es herrschte stets großes Vertrauen und Respekt.

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Meine Kolleginnen aus der Pflege

Im Vergleich zu dem oft sehr hektischen und stressigen Arbeitsalltag in der Pflege in deutschen Krankenhäusern, steht hier noch der kranke Mensch im Mittelpunkt, um den sich Angehörige, Ärzte und Pfleger sehr liebevoll kümmern.

In den vergangenen neun Monaten habe ich viel im Umgang mit Kranken gelernt und zuletzt auch durch meine eigenen Krankheitsphasen am eigenen Leib erlebt. Freundliche und hilfsbereite Menschen, mit einem offenen Ohr und Verständnis für die persönliche Situation sind so mit das wichtigste für eine rasche und erfolgreiche Genesung.

Danke, dass ich neun Monate Teil eures Teams sein durfte.

Danke, für all das neue Wissen, das ich mir bei euch aneignen durfte.

Danke, für die liebevolle Betreuung, während meiner Krankheitsphasen.

Danke, für Euer stets offenes Ohr und eure vielen Ratschläge und Tipps.

Danke, für eine unvergessliche Zeit.

 

 

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Victoire hat jetzt laufen gelernt… Bye Bye 🙂

Auch bei den Mutter-Theresa Schwestern musste ich mich verabschieden…

La paix commence avec un sourire“ – Der Friede beginnt mit einem Lächeln (Mutter Theresa aus Kalkutta)- Dieser Satz hängt im Eingangsbereich des Zentrums der Mutter-Theresa Schwestern. Auch hier, war ich knapp acht Monate jede Woche für Krankenbesuche an den Dienstagnachmittagen da und habe versucht, den Armen und Kranken mein Lächeln und eine kleine Freude zu schenken.

Wie sehr die kranken Jugendlichen und Erwachsenen meine Besuche und Spiele-Nachmittage geschätzt haben, durfte ich zu meinem Abschied erleben. Alle Kranken und die Schwestern haben für mich gesungen und getrommelt, zum Abschied habe ich eine Karte und einen selbstgepflückten Blumenstrauß im Namen aller, von meinem Freund Hodo überreicht bekommen. Die größte Freude an diesem Tag war, dass der 14 jährige Dominique, der ein amputiertes Bein hat, eine Beinprothese bekommen hat und schon überglücklich erste Gehversuche gewagt hat. Am selben Tag, ist die 16 jährige Denise, die über vier Jahre aufgrund offener Beine im Bett lag, ihre ersten Schritte mit dem Rollator gegangen. Die Freude war riesig und alle haben gejubelt und geklatscht. Mit Tränen der Freude und der Trauer habe ich mich von den Kranken und den Schwestern verabschiedet.

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Ein kleines Dankeschön und eine Erinnerung an meine Zeit im Zentrum

Die Arbeit der Missionarinnen der Nächstenliebe verdient uneingeschränkte Hochachtung und vollsten Respekt. Für mich persönlich sind die Schwestern wahre Heldinnen, denn sie bewirken mit ihrer Nächstenliebe und Unterstützung Unglaubliches.

 

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Wer Hühnchen essen will, muss auch schlachten können…

Was mir hier in Togo besonders gut gefällt, ist,  dass Speisen immer frisch zubereitet werden. Fertigprodukte wie bei uns z.B. Mikrowellen- oder Tiefkühlgerichte gibt es nicht, somit muss die Hausfrau selbst alles zubereiten. Bei der Zubereitung von Fisch, der meistens in einer feurigen Soße zubereitet bzw. verarbeitet wird, hat man die Wahl zwischen getrocknetem, geräucherten oder tiefgefrorenen Fisch. Bei Fleisch kommt es darauf an, welches Fleisch gegessen werden soll. Am häufigsten wird Hähnchenfleisch oder Rindfleisch verzehrt. Schweinefleisch ist nicht sehr beliebt und auch wenig verbreitet. Beim Hähnchenfleisch hat die Hausfrau nun zwei Möglichkeiten. Entweder sie kauft ein lebendes Huhn auf dem Markt und schlachtet es selbst, die beste Variante, meiner Meinung nach, oder sie kauft Tiefkühlhähnchenteile in einer kleinen Boutique.

„Commerce général“ nennen sich die kleinen Boutiquen, die meist in der Hand von Moslems sind, wo alle möglichen Dinge eingekauft werden können, von Generikamedikamenten, über Tomatenmark, bis hin zu Tiefkühlfleisch und –fisch. Die Familien, die sich kein lebendes Huhn auf dem Markt leisten können, kaufen oftmals die Tiefkühl-Hähnchenteile in den Boutiquen. Dieses Fleisch kommt größtenteils aus Europa und besteht aus den Teilen des Hühnchens, die bei uns nicht so beliebt sind. In Deutschland kaufen die meisten Konsumenten vorzugsweise Hähchenbrustfilet oder Hähnchenschenkel, der Rest wird dann z.T. nach Afrika oder Asien exportiert und dort verzehrt. Die Einhaltung der Kühlkette kann, meines Wissens nach, unmöglich eingehalten werden, so oft, wie Stromausfall allein schon in Kpalimé ist, da gilt dann nur noch: gut kochen oder gut grillen…

Also liebe Freunde und Leser: ich bitte euch herzlichst darum, zu überdenken, ob es wirklich nur die Hähnchenbrust sein muss, oder ob es nicht auch einmal die Woche sonntags ein ganzes Hähnchen vom Markt sein kann?!

Naja, wie dem auch sei, ich war bei einer guten Freundin zum Essen eingeladen und ich habe mich selbstverständlich bereit erklärt, ihr beim Kochen zu helfen. Sie hatte alle Zutaten eingekauft und zwei Hühner, die geschlachtet werden mussten für unser Festmahl. Ich hatte zwar schon oft Hähnchenfleisch zubereitet, aber natürlich noch nie zuvor ein Huhn geschlachtet. Meine Freundin hat mir alles am ersten Huhn demonstriert und dann sollte ich das zweite Huhn genauso zubereiten…leichter gesagt als getan…naja, sie hat mir am Ende doch noch viel zur Hand gehen müssen.

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Mit einem scharfen Messer wird die Kehle durchgeschnitten

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nun wird gerupft

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die Federn sitzen ganz schön fest…

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mit Waschpulver und Zitronen wird das Hühnchen nun gewaschen

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…die Innereien entfernt…

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und siehe da, da ist ja noch ein Ei…

Schließlich lernen die Mädchen das Hühnerschlachten schon in der Kindheit, damit sie dann im Heiratsalter geübt sind. Ich muss wohl bis zu meiner Hochzeit noch ein bisschen üben, dachte ich mir…

Meine Mutter beschwert sich immer, dass sie stundenlang kocht und dann doch alles in zehn Minuten gegessen ist. Das ist hier leider nicht anders… im Gegenteil, es dauert sogar noch länger, ein Festmahl zuzubereiten, wenn man weder einen Herd noch einen Backofen hat.

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nun wird das Fleisch erst gekocht und danach noch gegrillt…

Nach stundenlangem Vorbereiten war unser Mahl dann endlich fertig und der Hunger auch schon so groß, dass wir es uns gut schmecken lassen konnten.

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Mein Aufklärungsprojekt im Ausbildungszentrum ABCN

Am Donnerstag, 12.5.2016 konnte ich mein lang geplantes und ersehntes Aufklärungsprojekt über sexuell übertragbare Krankheiten und die verschiedenen Verhütungsmethoden mit 54 jungen Auszubildenden, des Ausbildungszentrums ABCN in Kpalimé, durchführen.P1110984

Meine Beweggründe für dieses Projekt waren vielfältig, besonders jedoch geprägt durch die vielen jungen, schwangeren Frauen, die ich jeden Tag sehe, oft mit einem Kind an der Hand, einem Kleinkind auf dem Rücken und das nächste schon wieder (noch vorne) im Bauch. Auch die hohe Rate an HIV- und Hepatitis B- Infizierten hier in Kpalimé und meine wöchentlichen Krankenbesuche bei den Mutter-Theresa Schwestern waren ein Anlass für mich, „etwas zu unternehmen“.

Eine weit ausgedehnte Aufklärungskampagne, groß aufgezogen und mit allen Schülern und Jugendlichen in Kpalimé, wäre für mich alleine nicht realisierbar gewesen aus vielerlei Gründen. Aber anstatt gar nichts zu unternehmen, habe ich beschlossen einen kleinen Senbilisierungs-Vormittag im Aufklärungszentrum ABCN (Atelier Bon Conseil Nouveau) zu gestalten, was am Ende ein großer Erfolg war!

In diesem Ausbildungszentrum, das hauptsächlich vom Verein Hilfe für Togo unterstützt wird, werden Schreiner, Schweißer, KFZ-Mechaniker, Elektriker, Küchengehilfen sowie Köche ausgebildet. Die jungen Auszubildenden, im Alter von 16 bis 25 Jahren, waren von Anfang an sehr gespannt und offen, was ich, als junge weiße Frau, mit ihnen nun besprechen wollte?!

Glücklicherweise hatte ich noch eine große Hilfe an meiner Seite, meine Kollegin Victorine, eine gestandene Dame, Mitte fünfzig, die schon viele Sensibilisierungsprojekte durchgeführt hat und sich spontan bereit erklärt hat, mich zu unterstützen.

Im Vorfeld hatte ich eine achtseitige Infobroschüre entworfen und für alle als Handout drucken lassen, dazu bekam jeder noch einen Kugelschreiber für Notizen geschenkt.

Im ersten Teil meines Vortrages ging es um die verschiedenen sexuell übertragbaren Krankheiten, wie Chlamydien, Tripper, HPV, Syphilis, Pilzinfektionen und Hepatitis B. Einige schockierende Fotos, die ich habe rumgeben lassen, haben für großes Entsetzen, viele Fragen und verängstigte Gesichter gesorgt.

Das zweite große Thema stellte HIV und die verschiedenen Infektionswege dar, sowie die HIV-Diagnostik. Auch in Togo gibt es in den großen Städten anonyme und kostenlose HIV-Aufklärungsstellen, wo man sich auf das HI-Virus testen lassen kann.

Um sich sowohl vor den verschiedenen sexuell übertragbaren Krankheiten als auch einer HIV-Infektion zu schützen, habe ich immer wieder an die Benutzung des Präservativs appelliert. Für 100 FCFA, umgerechnet 15 Cent, kann man hier in den Boutiquen drei Kondome kaufen.

Für eine Demonstration zur korrekten Benutzung des Präservativs, hat mir die Hebamme des Solidarité einen Holzpenis ausgeliehen und ich habe einen Auszubildenden gebeten, die Benutzung für die Klasse zu demonstrieren. Ein anderer Mitschüler hat die Beschreibung aus dem Manuskript vorgelesen und so wurde Schritt für Schritt genau erklärt, was zu tun ist.P1110990

 

Der Ausbildungsleiter des ABCN war ebenso während des gesamten Vortrages anwesend und hat noch weitere wichtige Hinweise und Tipps gegeben.

 

 

Nach der Schüler-Demo, hat meine Kollegin Victorine nochmal demonstriert, nach dem Motto „doppelt gemoppelt hält besser“ und den Jungs und Mädels auf Ewe richtig eingeheizt. Auch wenn alle Französisch in der Schule gelernt haben und Ausbildungssprache Französisch ist, kann es doch nicht schaden nochmal alles haarklein in der Muttersprache erklärt zu bekommen.P1110993

Viele gute und wichtige Fragen wurden gestellt, es war eine super Stimmung und die Auszubildenden haben sich köstlich amüsiert, besonders über Victorines Vortrag auf Ewe, bei dem sie ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert hat.

Nach der Demonstration ging es weiter mit einem kleinen Quiz über die Verlässlichkeit der verschiedenen Verhütungsmethoden und schließlich einer Erklärung und Vorstellung meinerseits der verschiedenen Methoden. Die meisten Auszubildenden hatten über die Mehrzahl der Methoden (Pille, Spirale, Dreimonats-Spritze, Hormonimplantat, Basalkörpertemperaturmethode) noch nie etwas gehört, auch die jungen Frauen nicht, was mir die Wichtigkeit meines Aufklärungsprojektes wieder vor Augen geführt hat. Eine Demo-Broschüre der Geburtshilfe des Solidarité hat das Ganze noch gut verbildlicht mit wunderbar anschaulichen Karikaturen.

 

Die Kernbotschaft am Ende, war die „doppelte Verhütung“, also die Benutzung des Präservativs in Verbindung mit einer anderen Verhütungsmethode und als kleinen Anreiz, bekam jeder Auszubildende drei Kondome geschenkt. Die Freude war riesig!P1120004

Der Ausbildungsleiter war auch sichtlich erregt, vom gesamten Vortrag und dem Kondom-Geschenk am Ende und hat mich dann nochmal beiseite gezogen mit dem Kommentar: „Also, wenn ihr noch mehr Kondome auftreiben könnt, das wäre ganz prima, wir nehmen auch einen ganzen Container!“

Okay…ich tue, was ich kann…:-)

Auch nach dem Vortrag gab es noch eine große Fragerunde, bei der nochmal alle Fragen auf den Tisch kamen. Ich war erstaunt und begeistert zugleich von der Offenheit der jungen Männer und Frauen, weil ich das von Deutschland bisher nicht kannte, wiedermal ein Beweis, wie verklemmt wir Deutsche beim Thema Sexualität sind…

 

Während des gesamten Morgens hatten wir Stromausfall und ab der Hälfte dann auch noch einen heftigen Platzregen. Zum Glück, habe ich aus weiser Vorsicht, schon von vornherein auf die Benutzung technischer Geräte verzichtet, es wäre eine zu große Enttäuschung gewesen, wenn der gesamte Vortrag deshalb, im wahrsten Sinne des Wortes, ins Wasser gefallen wäre. Man bedenke eben, dass wir in Afrika sind und nicht in einem modernen Schulgebäude, mit allen technischen Vorzügen.

Alles in allem war ich sehr zufrieden mit dem gesamten Aufklärungsvormittag, meine Kollegin Victorine und ich haben uns noch lange, während eines gemeinsamen Fufus, darüber unterhalten, geschmunzelt und über eine Fortsetzungsveranstaltung nachgedacht.P1120010

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Mit der Yapei Queen über den Lake Volta

Die Überquerung des Voltasees per Schiff war einer der Höhepunkte meiner Ghanareise und ein ganz besonderes Erlebnis, von dem ich euch gerne etwas näher berichten möchte.

Der Voltasee ist mit einer Fläche von etwa 8500 km² einer der größten, künstlich angelegten Stauseen der Welt. Von Akosombo im Süden reicht der 400 km lange See bis Buipe und Yapei im Norden. Ghana ist ein wasserreiches Land und das große Voltabecken

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Lake Volta

ist die wichtigste Wasserzufuhr für Mensch, Flora und Fauna. Die Voltaregion, ursprünglich ein Teil der deutschen Kolonie Togo, ist eine der schönsten Regionen Ghanas. Die Landschaft ist atemberaubend, satt grün und die Bergketten werden für den Anbau von Kaffee, Kakao und Mais genutzt.

Vor Beginn meiner Reise hatte ich die Voltaseeüberquerung mit dem Schiff fest auf meinem Reiseplan stehen, hatte aber schon von mehreren Quellen gehört, dass es ziemlich schwierig werden könnte, da es nur ein einziges Passagierschiff gibt, dieses nur einmal pro Woche fährt und auch nur zwei „richtige“ Kabinen zum Reservieren existieren. Wie es der Zufall so wollte, habe ich dann in Cape Coast den Kontakt zum Hafenleiter Bright in Yeji von einer deutschen Freiwilligen erhalten, was letztendlich mein „Schlüssel zum Erfolg“ war.

Telefonisch bekam ich von Bright alle Auskünfte, die ich gebraucht habe und konnte auch meine Kabine schon vorreservieren. In meinem Ghana-Reiseführer stand der Hinweis „entweder man ist begeistert oder man sagt „nie wieder!““ … die Spannung in mir wuchs also von Tag zu Tag und je näher das Schiff am Abend nach Yeji kam.

 

Dienstagnacht lief die Yapei Queen schließlich mit einigen Stunden Verspätung im Hafen von Yeji ein, sodass ich gegen 24 Uhr an Bord konnte. Der Hafenleiter Bright hat mich persönlich mit dem Captain und der zehnköpfigen Crew bekannt gemacht und dann konnte ich endlich, sehr erschöpft und verschwitzt, meine private Kabine beziehen.

Am Mittwochmorgen um 4 Uhr lief das Schiff aus dem Hafen von Yeji aus, Richtung Süden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Ladefläche und die Yamsboxen (einfache Holzvorrichtungen zum Stapeln der Yamswurzeln) noch leer. Die nächsten Häfen, die angelaufen wurden waren im Laufe des Tages Akuvikope, Hausakope, Benjamiso, Torkponya und am späten Mittwochabend Kete Krachi. In Benjamiso, wo wir ca. 5 Stunden Aufenthalt hatten, wurde die größte Menge an Yams verladen, was ein besonderes Spektakel für mich war. Bis zu diesem Zeitpunkt, wusste ich nicht, dass die Yapei-Queen das wichtigste Transportmittel für Tonnen von Yams aus dem Norden Richtung Süden des Landes ist.

 

Der Yams wird an Land in großen Haufen aufgebaut und mit Planen, Stroh und anderen Materialien abgedeckt, um ihn vor dem Austrocknen aufgrund der starken Hitze und Sonneneinstrahlung zu schützen. Sobald das Schiff an Land angelegt hat, tragen viele, emsige „Yams-Trägerinnen“ den Yams in runden Blechwannen an Bord, wo er dann von Männern in die Boxen gestapelt wird. Dies ist ein wahrer Kraftakt, wenn man bedenkt, dass in einer Blechwanne ca. 30 bis 40 kg Yamswurzeln auf dem Kopf transportiert werden, das jüngste Baby wird oftmals auch noch mit auf dem Rücken getragen und man bedenke stets die knallende Mittagssonne und sengende Hitze! Es ist unglaublich und erstaunlich, was diese Frauen leisten!!!

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Frauen tragen den Yams aufs Schiff

Auch die Passagiere an Bord sind zu 90% Frauen, oftmals mit kleinen Kindern auf dem Rücken, die als Yamshändlerinnen ihren Lebensunterhalt bestreiten und jede Woche, das gesamte Jahr über, auf dem Schiff ihren Yams in die Region Greater Accra befördern und an feste Wiederverkäufer verkaufen. Eine „Yams-Mummy“ verschifft zwischen vier bis sechs Yamsboxen und oftmals noch mehrere Säcke mit getrocknetem Maniok.

Die Haupt-Yams-Ernte ist zwischen August und September, zu diesem Zeitpunkt wird der Yams geerntet und eingelagert, damit jede Woche (dann das gesamte Jahr über) kleine Ladungen in den Süden transportiert werden können.

Von Mittwochmorgen bis Freitagmorgen sind die Frauen dann auf dem Schiff nach Akosombo, bleiben das Wochenende in Akosombo und begeben sich von Montagnachmittag bis Dienstagabend wieder auf die Rückreise von Akosombo in ihre Dörfer im Norden.

Die Frauen haben den Handel in der Hand! Sie sind das starke Geschlecht! Sie transportieren ihr Hab und Gut in einem Eimer mit Deckel, darin verstauen sie alles, was man so braucht: Zahnbürste und –pasta, Seife, alle möglichen Pomaden, Handspiegel, Taschenlampe, Schmerztabletten (vom Schwarzmarkt!), Pagnes zum Zudecken nachts… Der Eimer ist Aufbewahrungsbox und Hocker gleichzeitig, die Frauen kennen sich alle untereinander, es scheint, als seien sie ein eingespieltes Team.

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Auf dem obersten Deck…

In der Kombüse versorgen drei Frauen die Crew und Passagiere mit typisch ghanaischen Gerichten, wie Banku mit Tilapia oder Reis mit irgendwelchen scharfen „Stews“, es gibt Getränke an Bord und ansonsten noch allerlei anderen Kram, was die Frau untereinander handeln, in meinem Fall waren das z.B. Mangos und Avocados (aktuelle, saisonale Früchte).

 

Zur sanitären Situation sei gesagt, dass sich bis zu 300 Passagiere eine Toilette und eine „Dusche“ teilen. Die zwei Passagiere der Privatkabinen teilen sich Toilette und Dusche mit der Crew (dieses bisschen Luxus habe ich mir dann doch gerne gegönnt ;-).

Geschlafen wird auf einem der drei Decks entweder auf den Tischen, Bänken oder auf dem Boden. Manche „Yams-Mummys“ haben ihre eigene Schaumstoffunterlage, die sie dann bevorzugt auf dem obersten Deck ausrollen, da dort die Luft am besten ist.

Für mich persönlich, war die Überfahrt von Yeji nach Akosombo ein unvergessliches, wunderbares Erlebnis: Das Treiben auf dem Schiff, Gespräche mit den „Yams-Mummys“, die Verladung der Tonnen von Yams, die beeindruckende Landschaft, Grasland im Norden, kleine Inseln und satt grün bewaldete Hügel im Süden und am Abend atemberaubende Sonnenuntergänge und glitzernder Sternenhimmel… Aber auch viele  bittere Wahrheiten über das Leben und Leiden der Yamshändlerinnen und allen Beteiligten…

 

 

 

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Ein Blick über den Tellerrand… meine Reise durch Ghana

Vom 9.4.-23.4.2016 bin ich durch das westliche Nachbarland Togos, Ghana, gereist. Schon lange habe ich diese Reise sehnsüchtig herbeigesehnt, weil ich so viel von Ghana erzählt bekommen habe. So viel positives, so viel spannendes und dass es so viel anders ist als Togo…

Also habe ich beschlossen, 14 Tage durch Ghana zu reisen, um Land und Leute kennenzulernen und um einen Blick über den Tellerrand zu werfen, um mir ein eigenes Urteil bilden zu können.

Ghana polarisiert und fasziniert! Selten, habe ich so viele nette, überaus fürsorgliche und gastfreundliche Menschen kennengelernt, wie in Ghana. Noch nie habe ich so viele typisch afrikanische Tiere in freier Wildbahn gesehen und noch nie bin ich in kurzer Zeit mit so vielen verschiedenen Autos und Bussen unterwegs gewesen.

Kurz gesagt: Ghana ist sehr viel weiter entwickelt, als Togo! Accra ist eine Millionenmetropole mit sehr vielen westlichen Eigenschaften, in ganz Ghana gibt es ein gut ausgebautes Straßennetz, Internet- und Handyempfang sind hervorragend (wichtig!!!), das Essensangebot ist sehr vielfältig und auch die Wohnhäuser scheinen um einiges luxuriöser zu sein, als in Togo.

Meine Reise ging von Kpalimé über Ho- Accra- Cape Coast- Elmina- Kakum- Kumasi- Techiman- Fiema Buabeng- Tamale- Mole- Wechiau- Kintampo- Yeji- über den Voltasee nach Akosombo- Kpetoe- Hohoe und über das Plateaux von Togo zurück nach Kpalimé.

ACCRA:

Cape Coast & Elmina:

Kakum Nationlparc:

 

Kumasi- „die Goldene“:

Affenreservat von Fiema Buabeng:

Mole Nationalparc:

Hippo Sanctuary in Wechiau (Burkina Faso Grenze):

Über den Lake Volta mit der Yapei Queen:

Die Kenteweber von Kpetoe:

 

Zu den höchsten Wasserfällen Westafrikas: Die Wli-Falls

Ein krönender Abschluss meiner Ghana-Rundreise…

 

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La fatigue- die chronische Müdigkeit…

Als ich im September in Togo ankam, empfand ich es als höchst verwunderlich, dass so viele Togoer in allen möglichen Positionen und zu allen Tageszeiten schlafen können.

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Bei Mama auf dem Rücken schläft es sich am besten…

Auch meine Kolleginnen und Kollegen im Krankenhaus legen sich, wenn keine Patienten zu versorgen sind, einfach mal auf eine der Wartebänke und machen ein kleines Nickerchen. Was in Deutschland, während der Arbeitszeit undenkbar wäre, ist hier absolute Normalität und keinesfalls ein Verhalten, für das man sich schämen sollte oder was missbilligend beäugt wird. Die „Siesta“ zur Mittagszeit ist schlicht und ergreifend notwendig und Folge des tropischen Klimas. Wenn die Sonne im Zenit steht, läuft man nicht auf der Straße umher! Die Sonne brennt einem so heiß auf die Schädeldecke, geschwitzt ist man sowieso schon 24 Stunden am Tag, also lässt man Vernunft walten und ruht sich ein bisschen aus. Was ich anfangs in meiner vollen Euphorie nur schwer nachvollziehen konnte, ist mittlerweile auch für mich zur Normalität geworden, weil es einfach gut tut 🙂

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Stör mich bloß nicht…

Die Weltgesundheitsorganisation hat festgestellt, dass der Großteil der afrikanischen Frauen am „chronischen Müdigkeitssyndrom“ leidet. Die Frau ist für (fast) alles zuständig: Holz machen, Feld bestellen, Kochen, Waschen, Kinder gebären, Kinder erziehen, … und das 7 Tage die Woche. Zeit zum Ausruhen bleibt viel zu wenig und Urlaub gibt es erst recht nicht. Und immer wieder… die ständige HITZE!!!

Ich habe lange geglaubt, der Mensch gewöhnt sich an die Hitze oder die Menschen hier seien an die Hitze gewöhnt, weil sie ihr seit ihrer Geburt ausgesetzt sind.

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Zum Wiegen zu müde…

Jedoch habe ich erfahren, dass es meiner togoischen Familie, meinen togoischen Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten, nicht anders ergeht, als mir. Das Wetter ist jeden Tag aufs Neue ein unterhaltsames Gesprächsthema, genauso wie die täglichen Stromausfälle. Aktuell wird der Strom täglich mehrmals und häufig für mehrere Stunden, wenn nicht sogar ganze Tage abgestellt. Wenn dann (logischerweise) die Ventilatoren nicht funktionieren, zerfließen wir auf der Arbeit regelrecht unter unseren weißen Baumwollkitteln, neben unseren Patienten, die in ihren Schweißlachen liegen und noch mehr leiden. Selbst nachts fällt es schwer Schlaf zu finden, wenn man so sehr schwitzt, was am nächsten Tag, bereits morgens die neue Müdigkeit hervorruft. So setzt sich dieser Teufelskreis der Hitze, des Schlafmangels und der ständigen Müdigkeit kontinuierlich fort.

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Selbst Red Bull verleiht offensichtlich keine Flügel 😦

 

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Reisebericht der Delegationsreise mit „Hilfe für Togo e.V.“

In diesem Blogbeitrag möchte ich euch von meiner Zeit mit der Delegation des Vereins „Hilfe für Togo“ (Waldstetten), Mitte März berichten, mit der ich als Dolmetscherin und Vermittlerin 12 Tage im Süden von Togo unterwegs sein durfte:

Reisegruppe: Barbara und Anton Weber (Erster Vorsitzender und seine Frau), Carolin Specht, Leon Djimeto Djossou (Repräsentant von Hilfe für Togo in Togo vor Ort)

Montag, 14. März

Am Montagabend darf ich gemeinsam mit Leon, seiner Frau Victorine und Lena, Anton und Barbara in Lomé am Flughafen in Empfang nehmen. Schnell werden die Koffer verstaut und dann fahren wir nach Baguida (16 km östlich vom Lomé) ins „Chez Alice“ für unsere erste Übernachtung. Bei einem stärkenden Wurstsalat und einem frischen Eistee oder Bier, kommen wir ins Gespräch über die letzten, ereignisreichen Tage in Deutschland mit dem großen Benefizkonzert zu Gunsten von Hilfe für Togo und einem kurzen Abriss über das Programm der kommenden Tage.

 

Dienstag, 15. März

Nach einem köstlichen Frühstück mit Omelette oder Müsli, fahren wir los nach Agbetiko, am Mono und an der Grenze zu Benin. Dort besuchen wir das 2015 von Hilfe für Togo erbaute und eingeweihte CEG (Collège) und besprechen mit dem Schuldirektor die aktuelle Situation in der Schule. Drei Lehrer werden in dieser Schule vom Staat bezahlt, zwei weitere Referendare müssen aktuell von der Dorfbevölkerung finanziert werden. Ihr monatliches Gehalt beträgt dabei 30.000 FCFA (ca. 45 €), wobei erwähnt werden muss, dass sie nur während der Schulzeit ein Gehalt bekommen (nicht während der Ferien), das entspricht hier neun Monatsgehältern. Probleme, die im Laufe des Gespräches deutlich werden, sind der Mangel an Schulbüchern (in der gesamten Schule gibt es keine Schulbücher, die an die Schüler ausgeliehen werden können) und die niedrige Zahl an Schülerinnen. Viele Eltern schicken ihre Töchter nur in die Grundschule und höchstens noch in die Sixième oder Cinquième (entspricht in Deutschland der siebten und achten Klasse), da sie davon ausgehen, dass die Mädchen früh heiraten, Kinder bekommen und dann (nur) noch für die Hausarbeiten und Kindererziehung zuständig sind. Um dieser Denkweise entgegenzusteuern, leisten die Lehrer Aufklärungsarbeit im Dorf und das Schulgeld für Mädchen ist etwas niedriger angesetzt (4.600 FCFA= 6,80 € pro Schuljahr), als für Jungen (5.300 FCFA=7,95€ pro Schuljahr). Dennoch kommen auf knapp 300 Schüler nur 60 Schülerinnen. Neben Schulbüchern, bittet der Direktor uns noch um Fahrräder, für die Schüler, die von weiter weg kommen, damit sie aufgrund des weiten Schulwegs nicht entmutigt werden, täglich zum Unterricht zu erscheinen. Die Fahrräder sollen als Schuleigentum, jährlich, an die entsprechenden Schüler verliehen werden, so der Wunsch des Direktors. Nach einer kleinen Fotosession verabschieden wir uns und werfen einen letzten Blick, auf die wohl schönste Schule der Region Maritime.

 

Im Hotel Millenium in Afagnan angekommen, diskutieren wir ausgiebig über das geplante Landwirtschaftsprojekt. Es geht um die Vorbereitung des Bodens, als Grundvoraussetzung für eine ertragreiche Ernte, Viehzucht, Traktorvermietung und deren Konditionen für die Groupement-Mitglieder.

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Bei der Arbeit…

Auf dem Weg zurück nach Agbetiko, wo wir bei Leon zu Hause zum Abendessen eingeladen sind, besichtigen wir das Dispensaire in Agbetiko. Der Gesamtzustand des Dispensaires ist für uns alle sehr schockierend, es herrscht eine unsägliche Hitze und außer einer Mutter mit einem Kleinkind, das unter Malaria leidet, sind keine Patienten da. Die Cholera-Zelle hat bei mir persönlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen und wir alle sind uns einig, dass man in diesem Dispensaire eher noch kränker wird, anstatt zu genesen.

Der zuständige Krankenpfleger berichtet uns, dass viele Kranke zu Hause bleiben, weil es dort kühler ist, als im Dispensaire und er sie dann oftmals zu Hause medizinisch versorgen muss. Im Moment gibt es weder Strom (den gibt es in ganz Agbetiko noch nicht), noch Wasser im Dispensaire. Sehr besorgt, fahren wir nach Hause zu Leon und erleben die tägliche Kinderspeisung, die Leon und Victorine jedes Mal, wenn sie in Agbetiko sind, anbieten. Über 50 hungrige Kinder, zuerst die Kleinen dann die Größeren, verschlingen im Nu einen Teller Reis mit Tomatensoße. Kein Kind fragt nach Nachschlag, es scheint, sie seien zufrieden, mit dem, was sie bekommen. Leon klärt uns auf, über die zwei größten Probleme des Dorfes: 1. die immer wiederkehrenden Flutkatastrophen des Monos und 2. die lange Dürre und Trockenzeit. Zwei sich eigentlich wiedersprechende Naturphänomene, die jeglichen Anbau von Grundnahrungsmitteln zunichtemachen und viele Häuser jedes Jahr aufs Neue überschwemmen. Viele Eltern können sich und ihre eigenen Kinder kaum ernähren. Sobald Leons Auto ins Dorf fährt, scharen sich die Kinder und rennen dem Auto hinterher, weil sie wissen, dass sie endlich wieder etwas zu essen bekommen.

Mittwoch, 16. März

Heute Morgen sind wir beim Präfekten von Bas-Mono eingeladen und fahren, die mit Solarlampen ausgestattete Piste, zur Präfektur vor. Bereits um 9:00 Uhr ist die Hitze unerträglich und auch der Präfekt wirkt angespannt. Wir berichten von dem Engagement von Hilfe für Togo in seiner Präfektur und werden von ihm über die Missstände und seine mangelnden Handlungsfreiheiten aufgeklärt. Die Kernbotschaft des Präfekten war der spärliche Etat von gerade einmal 55.000€ für die gesamte Präfektur, die mangelnde Ausstattung des neuen Bürokomplexes und die große Armut in ganz Bas-Mono, so dass er gar nicht wisse, wo und wie er anfangen solle.

Nach dem eher ernüchternden Gespräch mit dem Präfekten, machen wir uns auf den Weg zur Farm von Apelete, wo sich unter dem Hangar schon die Mitglieder des Groupement versammelt haben und uns geduldig erwarten. Der 28-jährige Mann aus Elavanyo hat auf einer Fläche von ca. 2 ha ein Modellprojekt aufgebaut mit einem kleinen Haus, einem Brunnen, Viehhaltung (Schweine, Ziegen, Hühner, Hasen) und Gemüseanbau. Besonders beeindruckend ist für uns der selbstgebaute Maisspeicher, zur Lagerung der Ernte.

Der Grundstein für dieses Landwirtschaftsprojekt wurde bereits von der Delegation am 31. Oktober 2015 gelegt und nun besprechen wir noch einmal, wie wir mit den Frauen die bevorstehende Saison beginnen können. Grundlegende Probleme werden uns noch einmal von den Frauen erklärt: Mangel an Know-how, Unwissenheit über den Einsatz von technischen Geräten, Mangel an gutem Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel, Probleme der Lagerung der Ernte zum Verkauf längere Zeit nach der Ernte. Die Diskussion ist hochspannend und wir sind fasziniert, wie toll sich die Frauen einbringen. Die Übersetzung läuft von Ewe auf Französisch und von Französisch auf Deutsch und dann wieder in umgekehrte Richtung.

 

Nachmittags arbeiten wir die Satzung für das Frauen-Groupement auf Französisch und Deutsch aus. Wir beschließen, dass der Vorstand aus sieben Personen und überwiegend aus Frauen bestehen soll. Der Jahresbeitrag beträgt 1000 FCFA (1,50€), neue Mitglieder zahlen einen Beitrag von 2000 FCFA bei Vereinseintritt, wobei jedoch neue Mitglieder frühestens im Januar 2017 dem Groupement beitreten können.

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Kinderspeisung: es gibt Reis mit Bohnen, Maniokmehl und Palmöl

Nach einem ereignisreichen Tag, beschließen wir den Abend mit einem köstlichen Abendessen in Agbetiko, werden wieder Teil der obligatorischen Kinderspeisung und beenden den Abend mit einem Gute-Nacht Drink auf der Hotelterrasse im Hotel Millenium.

 

 

Donnerstag, 17. März

Am Ehrentag des Heiligen Patrizius, dem Schutzpatron der Landwirte, gründen wir gemeinsam mit 19 Frauen und drei Männern das „Groupement des Agriculteurs Bas-Mono“ in Afagnan.

Demokratisch und per Handzeichen wählen die Mitglieder den Vorstand, der sich nun wie folgt zusammensetzt:

  • Präsidentin: 45 Jahre alt, 7 Kinder, 6 davon lebend
  • Vize-Präsidentin: 55 Jahre, 9 Kinder
  • Sekretär: Apelete, 28 Jahre, 1 Kind
  • Kassiererin: 37 Jahre, 5 Kinder
  • Kommissare der Kassiererin: ein Mann (48 Jahre, 4 Kinder), eine Frau
  • Beisitzerin/Beraterin: 36 Jahre, 6 Kinder

Nach der Wahl des Vorstandes haben wir die Satzung vorgelesen, besprochen und über Einwände und Verbesserungsvorschläge diskutiert. Die Beteiligung und das große Engagement der Frauen haben uns erneut beeindruckt, genauso, wie die Einigkeit bei der Wahl zur Besetzung der verschiedenen Ämter. Als Dank und Beginn einer guten Zusammenarbeit hat Barbara jedem Mitglied ein buntes Schlüsselband überreicht und unter den Kindern Luftballons verteilt. Die Freude war riesig.

 

Nachmittags diskutieren wir weiter über das Anlaufen des Projekts, über den Preis der Traktorbenutzung und die ersten Schritte. Hilfe für Togo wird für jedes Groupement Mitglied das erste Pflügen bezahlen und eine Bildungsmaßnahme zum Thema Kleintierzucht organisieren. Während dieser Bildungsmaßnahme darf sich jedes Mitglied zwischen Hasen- oder Hühnerzucht entscheiden und bekommt vom Verein einen Käfig mit entsprechender Tierart zur Verfügung gestellt. Wie die Bildungsmaßnahme organisiert werden soll, steht bis jetzt noch nicht genau fest, denn wir sehen mehreren Problemen ins Auge:

  1. Fast alle Frauen sind Analphabetinnen
  2. Alle Frauen haben viele Kinder und viel Arbeit, das bedeutet konkret, wenig freie Zeit
  3. Laut WHO leidet der Großteil der afrikanischen Frauen an chronischem Müdigkeits-Syndrom, von der vielen, harten Arbeit. Nach kurzer Zeit schalten die Frauen ab, werden müde und manche schlafen im Sitzen ein (was wir leider auch bei unseren Besprechungen zur Kenntnis nehmen mussten)

… Alles Dinge, die für ein „Seminar“ berücksichtigt werden müssen.

Am Abend besichtigen wir am Mono-Ufer eine Palmplantage, wo gerade Palmwein gewonnen wird und machen eine Mono-Überfahrt im Einbaum nach Benin. Am Mono-Ufer herrscht reges Treiben. Eine Frau wäscht getrocknete Palmnüsse, eine andere Frau wäscht ihre Wäsche, weitere Kinder und Erwachsene waschen sich und ihre Kleider, die sie am Leib tragen.

Nach einem köstlichen Abendessen bei Leon und Victorine, lassen wir diesen produktiven und arbeitsreichen Tag gemütlich ausklingen.

Freitag, 18. März

Heute Morgen fahren wir nach einem reichhaltigen Frühstück mit Omelette, Gemüse und Obstteller von Agbetiko los, über Tabligbo nach Gabadjin, wo wir die 2015 eingeweihte Schule, Brunnenanlage und das Dispensaire besuchen wollen. Nach etwa zwei Stunden Fahrt auf Teerstraße, Piste, Schlaglochpiste und Feldwegen, erreichen wir unser Ziel leicht verstaubt, aber eher verschwitzt und werden von einem Kinderchor, der für uns singt und klatscht feierlich begrüßt. Die nachfolgende Diskussion mit der Dorfbevölkerung verläuft leider nicht so feierlich, wie unser Empfang auf dem Schulhof. Wir erfahren, dass niemand von den verantwortlichen Personen anwesend ist, weder der Schuldirektor, noch der Dorfchef, noch die Hebamme des Dispensaires. Die männlichen Dorfbewohner, die lautstark das Wort an sich reißen wollen, erzählen uns zweifelhafte und fragwürdige Dinge und können auf unsere Fragen, zu unserem großen Bedauern, keine konkreten Antworten geben. Nach einiger Zeit sehen wir uns gezwungen, die Diskussion abzubrechen. Wir besuchen die Klassenzimmer der Grundschule, die einen gepflegten Eindruck erwecken, die Osterferien haben heute begonnen, deshalb findet kein Unterricht mehr statt. Danach begutachten wir die Brunnenanlage und müssen schockiert feststellen, dass das Wasser komplett grau und trüb ist und nicht als Trinkwasser verwendet werden kann. Die Dorfbewohner erklären uns, dass der Brunnen die einzige Trinkwasserstelle des Dorfes bis vor kurzem war und seit des verschmutzen Wassers Frauen und Kinder wieder täglich in ca. 3 km Entfernung Wasser holen müssen. Anton und Leon stellen erste Vermutungen über die Problemursache an und Victorine entnimmt eine Wasserprobe für das zuständige Bauunternehmen in Lomé. Leon ist empört darüber, dass dieses Problem schon seit Wochen besteht und ihn niemand darüber in Kenntnis gesetzt hat, damit das Problem schnell behoben werden kann. Wir blicken in ahnungslose und unschuldige Gesichter. Der Besuch des Dispensaires verläuft leider ähnlich ernüchternd. Obwohl das Gebäude in einem einwandfreien Zustand ist, scheint die gesamte Krankenstation verlassen. Die Untersuchungsbücher sind verschwunden und die zuständige Hebamme auch, seit November 2015 wurden keine Geburten und Untersuchungen mehr durchgeführt. Just, an diesem Morgen ist eine neue Geburtshelferin angereist, die in ihrem weißen Kittel uns vorgeführt wird und die noch weniger weiß, was im Dorf abläuft, als wir selbst (wir haben wirklich Mitleid, mit der jungen Dame). Ausstattungsgegenstände wie z.B. Glühbirnen wurden entwendet und der administrative Leiter des Dispensaires belügt uns von vorne bis hinten.

Wir beenden unseren Besuch und fahren schockiert, verärgert und verzweifelt zurück nach Tabligbo, wo wir in einer Cafeteria erst einmal Revue passieren lassen, was wir soeben erlebt haben. Leon setzt sich sofort mit dem ausführenden Bauunternehmen des Brunnens auseinander, sie versprechen uns, dem Problem nachzugehen und danach telefonieren Leon und ich mit dem zuständigen Kantonchef, über die Vorkommnisse in Gabadjin. Auch er verspricht uns, dem nachzugehen.

Nach einem kühlen Getränk machen wir uns auf den Weg über die N3 nach Kpalimé. Ca. 30 km vor Tsevie platzt unser rechter Vorderreifen. Zum Glück haben wir einen sehr erfahrenen Autofahrer (Leon) und gemeinsam mit dem „Reifenwechsel-Profi“ Anton, ist das Ersatzrad im Nu montiert. In der nächstgrößeren Kleinstadt wird das Ersatzrad nochmal gewechselt, bevor wir über die Verbindungs(-Schlagloch-)piste von Tsevie nach Kévé eiern, um auf der N5 schließlich nach Kpalimé zu fahren.

Kurz vor Kpalimé ersteht Victorine für uns sieben frische Ananas für 1000 FCFA (1,50€), unser Nachtisch und Frühstück ist also gerettet J

Endlich, im Schwabennest angekommen, können wir unsere Sachen ausladen und uns mit einer kühlen Dusche erfrischen.

Das Abendessen im Restaurant Macumba lässt keine Wünsche offen, sodass wir den Tag doch noch in lustiger Runde beschließen können.

Samstag, 19. März

Der Tag beginnt mit Sonnenschein und schwüler Hitze, was uns dank unseres köstlichen Frühstücks im Macumba jedoch (zunächst) nicht aus der Bahn wirft. Barbara und ich besuchen nach dem Frühstück und der weiteren Programmplanung, Marie (Barbaras vertraute Schneiderin in Kpalimé) und geben einige Kleider in Auftrag. Danach besprechen wir mit Meme sein bevorstehendes Praktikum in Deutschland und erklären ihm nachdrücklich die Wichtigkeit von Grundkenntnissen der deutschen Sprache, die er sich jetzt noch in Togo aneignen muss. Barbara schenkt ihm ein Heft mit einem Deutschkurs für Ausländer und ich erkläre mich bereit, bis zu seiner Ausreise nach Deutschland ihm Deutschunterricht zu erteilen.

Nach einer kurzen Siesta im Schwabennest, stellt sich leider heraus, dass Anton aufgrund von einer fiesen Magen-Darm-Infektion ans Bett gefesselt ist und wir sagen unser Nachmittagsprogramm ab.

Nach zwei Infusionen Elektrolytlösung, Medikamente gegen die Übelkeit und einem negativen Malariatest, geht es glücklicherweise langsam wieder aufwärts.

Sonntag, 20. März

Da nach dieser fürchterlich schwülen Nacht nun auch ich leicht kränklich bin, gibt es für Anton und mich zum Frühstück nur „Bad Heilbrunner Magen- und Darmtee“ mit Knäckebrot. Barbara, die Krankenschwester im Team, versorgt uns beide äußerst liebevoll, vielen Dank, liebe Barbara J Wir gehen den Tag langsam an und holen die abgesagten Termine vom Vortag nach.

Den gesamten Nachmittag über, diskutieren wir mit dem Präsidenten von APAT (Association pour la promotion de l´artisanat au Togo), Fritz Agbeko, über eine potentielle Kooperation.

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Diskussion über eine Kooperation mit APAT

Er stellt uns APAT neu vor, da sich die Organisation zwischen 2011 und 2013 neu formiert und neue Schwerpunkte gesetzt hat. Es wurden Umstrukturierungen durchgeführt, führende Positionen neu besetzt und Fritz wurde als neuer Präsident gewählt. Seit Oktober 2015 schult Fritz im ABCN als Referent die Leiter der jeweiligen Sektionen (Schreinermeister, Schweißermeister, Mechaniker, usw.) und auch APAT Mitglieder über Verwaltung, Finanzwesen, Buchhaltung und Unternehmertum. Hauptberuflich arbeitet er bei einer ONG (Nicht-Regierungsorganisation) als Ökonom und technischer Leiter für Kleinprojekte in und um Kpalimé. Im gemeinsamen Dialog prüfen wir, in wieweit APAT bereit ist, mit Hilfe für Togo für die finanzielle Umsetzung der Projekte vor Ort, hier in Togo, zu kooperieren. Das Gespräch verläuft unserer Meinung nach äußerst positiv und wir freuen uns, Fritz bei einem gemeinsamen Abendessen im Macumba, noch näher kennenzulernen.

Montag, 21. März

Heute ist um 7:00 Uhr die Abfahrt aufs Plateaux de Danyi geplant. Nach einem schnellen Frühstück, fahren wir mit minimaler Verspätung los über Adéta und Apéyémé nach Elavanyo, wo wir schon von der Schuldirektion und einer Schülergruppe freundlich empfangen werden. Leon und Rudi kommen kurz nach uns an, sodass wir nach einem Begrüßungsständchen der SchülerInnen und kurzer Vorstellungsrunde, an großer Tafel unser Gespräch beginnen können. Es geht um die letzten Vorbereitungen vor Baubeginn des geplanten Lycées, das an das schon bestehende Collège angegliedert werden soll. Laut BENGO Richtlinien soll gewährleistet werden, dass die lokale Bevölkerung einen Teil zum guten Gelingen des Projekts beiträgt, den wir nun näher definiert haben. Da es sich dabei nicht um finanzielle Beteiligung handelt, sondern konkret um „Arbeitsstunden“ haben wir Tätigkeiten, wie z.B. Grundfläche ebnen, Fundamente und Latrinen ausgraben, Wasser bereit stellen, usw. definiert und von verschiedenen Verantwortlichen unterzeichnen lassen. Diese Verantwortlichen sind der Schulleiter, der Elternvertreter und der CVD (Chef des Dorfentwicklungskomitees). Weitere Lehrer und der Abgeordnete des Dorfes sitzen bei. Zuletzt verpflichten sich, laut BENGO, die Lehrkräfte noch eine Sensibilisierungsmaßnahme mit ihren SchülerInnen durchzuführen, über Themen wie z.B. die Benutzung und Hygiene der Latrinen, alltägliche Körperhygiene, guter Lebensstil, usw. Auch dieses vorbereitete Dokument wird unterzeichnet und mit Stempel signiert.

 

Zum Abschied werden nochmals die Trommeln, Rasseln und Klanghölzer aktiviert und die SchülerInnen singen uns ein Abschiedsständchen, einfach herzlich. Spontan muss ich an den Titel einer Antirassismus-Broschüre meines Vorbereitungsseminars in Deutschland denken: „ Von Trommlern und Helfern“ (erstellt von „Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag“, 17.05.2014).

Direkt im Anschluss besichtigen wir das unweit entfernte Dispensaire von Elavanyo, wo wir den aktuellen Zustand des Dachs unter die Lupe nehmen wollen. Da der Assistant Médical Simon, ein langjähriger Bekannter von Anton und Barbara, leider nicht da ist, führt uns die Hebamme Holalie herum und erklärt uns die aktuellen Probleme. Holalie ist eine adrette, junge Dame, vielleicht Mitte/Ende 20 und (für eine Hebamme typischerweise) in einem rosafarbenen Puppenkostüm gekleidet. Barbara und ich sind sofort angetan von ihr und hören ihr aufmerksam zu, was sie uns zu erzählen hat. Das Dach ist in der Tat in einem desolaten Zustand, überall im Flur sieht man Schimmel und Wasserschäden, im Kreißsaal tropft das Wasser bei Regen direkt auf den Entbindungstisch und die Gebärende. Während Barbara und ich weiter mit Holalie die Innenräume inspizieren, begutachten Anton und Leon das Dach von außen. Am Ende kommen wir alle vier zum selben Entschluss, dass das Dach komplett erneuert werden muss.

 

Ein weiteres Problem, das Holalie anspricht, auf das seit über 20 Jahren niemand aufmerksam gemacht hat: es gibt keine Toiletten. Zwei Latrinen, die außerhalb, ca. 200m vom Dispensaire entfernt sind, sind überhaupt nicht mehr zugänglich, sodass sich die Patienten und das Personal anderweitig behelfen müssen.

Ein letztes Problem, das angesprochen wird, ist die Wasserproblematik in der Trockenzeit. In der Regenzeit gibt es genügend Leitungswasser für den Krankenhausbetrieb, jedoch in der Trockenzeit gibt es keinen einzigen Tropfen Wasser über mehrere Monate. Wir nehmen die Missstände zur Kenntnis und befragen Holalie noch zu einigen medizinischen Fakten. Sie erklärt uns für den Bereich der Gynäkologie, dass trotz Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen und ständiger Aufklärung, immer noch ein nicht unerheblicher Teil der Frauen zu Hause entbindet, was teilweise mit schweren Komplikationen verbunden ist. In der allgemeinen Sprechstunde ist die Erkrankung Nummer eins die Malaria tropica. Der Malaria-Schnelltest und die einfache Behandlung mit Tabletten (während drei Tage) ist für alle Patienten in Togo kostenlos.

Wir versprechen, uns um eine Finanzierung und Komplett-Sanierung des Daches zu kümmern, voraussichtlich wird das nach dem Bau des Lycées und während der, dann terminlich gut passenden, Trockenzeit geschehen.

Zum Mittagessen, sind wir bei Rudis Frau Julie zum obligatorischen Fufu-Essen eingeladen. Es gibt Fufu mit Erdnussoße (mit frischen Pilzen und Ananas drin), Wein, Bier,… alles was das Herz begehrt.

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Fufu mit Erdnusssoße! Köstlich 🙂

Bevor wir ins Nonnenkloster zum Check-in fahren, halten wir für einen kurzen Besuch in der Boutique des Mönchsklosters von Danyi-Dzogbegan. Die Kirche der Mönche wird gerade renoviert, vor kurzem waren sogar zwei deutsche Schreiner (auf der Walz) für zwei Wochen zum Arbeiten da. Ein Mönch klärt mich freundlicherweise über die außergewöhnlichen Bäume in der Einfahrt zum Kloster auf: Jakobsfrüchte („Jacquier“ auf

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Jakobsfrüchte vorm Kloster

Französisch oder „Jackfruit“ auf Englisch wurde mir erklärt). Wenn diese Riesenfrüchte reif sind, kann daraus Kompott, Fruchtsaft oder Sirup hergestellt werden. Wieder was Neues gelernt 🙂

Bei den Schwestern angekommen, irren Anton und ich durch die halbe Klosteranlage, bis wir die zuständige Schwester finden, die uns unsere Zimmer zeigt. Die Zimmer sind sehr einfach, aber sauber und mit Moskitonetzen ausgestattet. Wasser müssen wir zum Duschen, Waschen und die Toilette am Brunnen holen. Ich probiere mich darin, wie die Togolesinnen, anmutig meine Wasserschüssel auf dem Kopf zu balancieren. Anton gibt mir Kommandos, damit ich nicht die Hälfte nach vorne oder hintenraus verschütte. Ich glaube ich muss noch länger im Kloster bleiben und üben…

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Nonnenkloster von Danyi-Dzogbegan

 

 

Dienstag, 22. März

Am nächsten Morgen werden wir von Vogelgezwitscher und Glockengeläute geweckt. Ich besuche den 7 Uhr Gottesdienst und danach gibt es in einem Gemeinschaftsraum ein köstliches Frühstück mit selbstgebackenem Baguette, selbstgemachter Mangokonfitüre, Kaffee und Kakao.

In der Boutique der Schwestern finden wir zum Abschied ähnliche Dinge wie bei den Mönchen, wobei laut Rudi und auch unserem Geschmackserlebnis beim Frühstück nach zu urteilen, die hausgemachte Konfitüre besonders empfehlenswert ist. Es gibt Mango-, Papaya-, Mandarinen-, Orangen-, Zitronen-, Ananas- und Sternfruchtkonfitüre. Ich mache Großeinkauf 🙂

Nach einem Abschiedsbesuch bei Rudi und seiner Familie, fahren wir die Schlagloch-Piste wieder den Berg hinunter und spüren mit jedem abnehmenden Höhenmeter die steigende Außentemperatur und knallende Sonne.

Zurück in Kpalimé, sind wir nachmittags mit Leon zu einer Bestandsaufnahme über das Ausbildungszentrum ABCN verabredet. Es geht um Altlasten, mangelnde Nachfolgeschaft, demotivierte Abteilungsleiter und Ratlosigkeit. Am Ende dieser äußerst anstrengenden Diskussion, sind wir fast genauso ratlos wie er und beschließen eine Nacht über alles zu schlafen.

Mittwoch, 23. März

Heute Morgen haben wir unser Programm wieder früh begonnen. Es sollte ein ereignisreicher Tag werden, mit vielen Besuchen.

Gegen 8:00 Uhr haben sich vorm ABCN bereits ca. fünfzig Chauffeure versammelt, um Verbandskästen für ihre Autos entgegenzunehmen. Die Freude war unübersehbar groß bei den Chauffeuren und dementsprechend hatten wir unsere Last, Ordnung in die

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Glückliche Taxifahrer mit neuen Verbandskästen!

Menschentraube zu bringen, damit unsere Aktion nicht komplett aus dem Ruder lief. Am Ende haben wir es aber doch noch geschafft, die Verbandskästen gerecht an alle zu verteilen und sogar noch ein Gruppenfoto zu schießen.

Direkt im Anschluss hatten wir einen Termin im Krankenhaus Solidarité (Agoè-Kondji, muslimisches Viertel in Kpalimé), wo wir wie immer herzlich von Madame Djobo, der Empfangsdame, willkommen gehießen wurden. Das anschließende Gespräch mit dem

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Besuch im Solidarité

Direktor Emmanuel Togbe, dem Assistant Médical David und dem Buchhalter Jacques Lem, drehte sich im Großen und Ganzen um den sehnsüchtig erwarteten Krankenwagen, den erhöhten Sozialfonds und einer weiteren Bitte um eine Neuinstallation der Elektrik im Krankenhaus. Bereits beim Betreten des Krankenhauses ist uns die Baustelle über der Geburtshilfe und dem Labor aufgefallen. Das Solidarité stockt auf und im Hof wird angeblich eine solarbetriebene Straßenlaterne installiert. Stolz erzählt uns der Direktor, dass nun auch der Weg zum Solidarité mit Straßenlaternen ausgestattet und planiert wird. Wir werden sehen…

Weiter geht es mit einem Besuch des Waisenhauses Sinai im Zomayi Viertel von Kpalimé. Waisenhausleiter und –vater ist der Schweizer Herr Gavoli, der das Waisenhaus gemeinsam mit seiner togoischen Frau im Jahr 2000 gebaut hat und unterhält. Zum Zeitpunkt unseres Besuches sind Frau Gavoli und die ganzen Kinder in der Kirche, kurz vor unserer Abfahrt, bekommen wir jedoch noch die Möglichkeit, die Kinder begrüßen zu dürfen. Insgesamt

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Die kleinste der Sippe: Baby Luna 🙂

leben im Waisenhaus 14 Kinder im Alter von sechs Monaten bis 14 Jahren. Wir sind uns einig, dass das Waisenhaus in einem sehr guten Zustand ist und es den Kindern, dem ersten Anschein nach, an nichts mangelt. Aus Zeitgründen müssen wir uns leider rasch wieder verabschieden und wünschen dem Ehepaar Gavoli weiterhin alles Gute für ihre tolle Arbeit.

 

Nach einem schnellen Erfrischungsgetränk geht unsere Tour weiter zum „Centre Kekeli“- den Missionarinnen der Nächstenliebe in Kpalimé. Dieses Zentrum ist eine Mischung aus Krankenstation, Pflege- bzw. Behindertenheim und ein Zufluchtsort für Arme und Kranke. Betrieben wird das Zentrum von vier Ordensschwestern des Mutter Theresa Ordens aus Kalkutta (Missionarinnen der Nächstenliebe). Schwester Dileta, eine Italienerin und Ärztin, empfängt uns äußerst warmherzig und nimmt sich viel Zeit mit uns, um uns kennenzulernen und alle unsere Fragen in Ruhe zu beantworten. Dileta erklärt uns, dass das Zentrum ein Zufluchtsort ist, für alle schwerkranke und extrem verarmte Menschen, die entweder keine Familienangehörigen haben, oder wo die Familie selbst über keine ausreichenden Mittel verfügt, um sich um den Kranken zu kümmern.

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Bis zu vierzig Patienten können die Schwestern versorgen, wobei es einen großen Krankensaal für die Männer und einen großen Krankensaal für die Frauen gibt. Weiterhin gibt es drei kleinere Säle für Kranke mit Ansteckungspotential. Die meisten Kranken, die sie bei ihren wöchentlichen Rundgängen bzw. Rundfahrten durch Kpalimé und die umliegende Dörfer aufspüren, leiden unter AIDS, Tuberkulose, großflächigen Wundinfektionen oder absoluter Unterernährung. Im Zentrum bekommen sie dann drei reichhaltige Mahlzeiten und umfassende medizinische Versorgung, bis sie in einem Zustand sind, wo sie wieder nach Hause entlassen werden können.

Schwer beeindruckt von der wundervollen Arbeit, die die Schwestern leisten, entschließen wir uns, das Zentrum in unser Programm aufzunehmen und von nun an stärker zu unterstützen.

Wieder zurück im ABCN fotografieren Barbara und ich, gemeinsam mit Meme, die in Auftrag gegebenen, Schulbänke für die treuen Förderer und Unterstützer. Wir haben viel Spaß 🙂

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Bitte lächeln 🙂

Zum Abendessen ist auch Leon wieder gut in Kpalimé angekommen. Er war den gesamten Tag auf einem Seminar in Lomé, das von verschiedenen Ministerien, u.a. das togoische Innenministerium und Sicherheitsministerium, geleitet wurde. Eingeladen waren Vorsitzende und Chefs von Nicht-Regierungsorganisationen zum Thema Kooperation mit Nordpartnern, insbesondere Schutz vor Korruption, Geldwäsche und Sicherheit vor Terrornetzwerken.

Beim gemeinsamen Abendessen im Macumba kommen wir zu dem Entschluss, dass es ein interessantes Seminar für Leon und ein spannender Tag für Anton, Barbara und mich war.

Donnerstag, 24. März

Heute Morgen führen wir unsere Gespräche über die Zukunft des Ausbildungszentrums ABCN mit Leon weiter, nachmittags entschließen wir uns die Sektionsleiter von der Schreinerei, Schweißerei, Dreherei, Mechanik und Küche mit in unsere Gespräche mit einzubeziehen. Fritz von APAT ist als Mediator ebenso anwesend und vermittelt.

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Besprechung über die Zukunft des Ausbildungszentrums ABCN

Im Hintergrund bereiten die Auszubildenden das Essen für eine Trauerfeier vor.

Wie schon erwähnt, ist die Trauerfeier das wichtigste Fest eines Menschenlebens bei den Ewe, deswegen werden auch keine Kosten und Mühen gescheut und nur das Beste aufgetischt 🙂

Freitag, 25. März

Schweren Herzens musste ich mich heute von Anton und Barbara verabschieden. Ein großes Dankeschön, das ich im Team dabei sein durfte. Die vergangen zwölf Tage werden mir noch lange in äußerst positiver Erinnerung bleiben. Danke!

 

 

 

 

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Sichelzellkrankheit und ein besonders treuer Patient im Solidarité

Diesen Blogbeitrag möchte ich einem jungen Mann widmen, dessen Mut und innere Stärke mich täglich von neuem fasziniert.

Pierro, eigentlich Pierre, aber alle nennen ihn im Solidarité Pierro, ist 23 Jahre alt und ein freundlicher und überaus kluger, junger Mann. Wenn man ihn nur schon von weitem sieht,

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strahlt er und bringt alle von morgens bis abends mit seinen Witzen und frechen Sprüchen auf die Palme. Dabei, hätte er eigentlich aufgrund seiner angeborenen Sichelzellkrankheit, gar keinen Grund zum Spaßen.

Die Sichelzellkrankheit ist eine vererbte qualitative Hämoglobinopathie, d.h. dass ein Hämoglobinmolekül gebildet wird, dass unter bestimmten Bedingungen zur Sichelbildung der Erythrozyten (roten Blutkörperchen) führt. Im tropischen Afrika sind 20-40% der Bevölkerung heterozygote (mischerbige) Anlageträger, was einen gewissen Selektionsvorteil verschafft, da diese Menschen eine gewisse Malariaresistenz aufweisen (sie erkranken seltener an Malaria). Diese heterozygoten Anlageträger sind meistens komplett gesunde Menschen. Nun gibt es aber auch homozygote (reinerbige) Anlageträger, die bereits ab der frühen Kindheit schwere Krankheitsverläufe durchleben, wie z.B. Pierro. Er ist homozygoter Anlageträger der Sichelzellkrankheit und leidet, seit er klein ist, immer wieder an Sichelzellkrisen. Diese Krisen können durch verschiedene äußere Einflüsse wie z.B. körperliche Belastung, Mangelernährung,… ausgelöst werden und können z.T. sehr schwerwiegend bis tödlich verlaufen. Eine Krise kann typischerweise mit starken Knochenschmerzen und Mikroinfarkten in Hand- und Fußknochen mit Schwellungen beginnen. Bei schwerwiegenden Verläufen kann es zu Organinfarkten in Milz, Nieren, Gehirn, Lunge oder Knochen kommen.

Wenn diese Krisen immer wieder vorkommen, resultieren Langzeitschäden wie z.B. Knochennekrosen, Störungen der Haut, Erblindung, Nieren- und Leberinsuffizienz. Im Moment, behandeln wir Pierro im Solidarité täglich aufgrund einer großen, nekrotischen Wunde am Sprunggelenk (ein Langzeitschaden seiner Sichelzellkrisen).

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Jeden Morgen kommt der couragierte, junge Mann also zum Verbandswechsel und jeden Morgen, ist es von neuem eine Qual zu sehen, was er aufgrund dieser Erbanlage durchmachen muss. Dass er sich von alledem nicht entmutigen lässt, erfahren wir täglich, wenn er uns mit seinen frechen Sprüchen, Grimassen und Witzen auf Trab hält 🙂

Nicht umsonst ist das Verhältnis zwischen den Krankenschwestern und –pflegern und ihm, ein ganz besonderes.

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Mama, Pierre und ich nach dem Verbandswechsel

 

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Ein Tag gemeinsam mit „Mutualistes sans Frontières“

„mutuel(le)“ heißt übersetzt so viel wie „gegenseitig“ und ein „mutualiste“ ist ein Mitglied eines Vereins, der auf Gegenseitigkeit beruht.

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Das Optikerteam 🙂

Mehr oder weniger durch Zufall, bin ich letztes Wochenende auf eine dreißig-köpfige Gruppe aus Südfrankreich gestoßen, die eine 10-tägige Gesundheitsmission in Kpalimé und einigen umliegenden Dörfern durchgeführt hat. Dabei standen Zahnuntersuchungen und Augenuntersuchungen im Vordergrund. Über 4000 Kinder und Erwachsene hat das französische Team, bestehend aus Zahnärzten, Zahnarzthelfern, Augenärzten, Optikern, Arzthelfern, Krankenschwestern, Physiotherapeuten und Erziehern, untersucht.

Das CHP ist das „Centre Hospitalier Prefectoral“ (Krankenhauszentrum der Präfektur), das größte Krankenhaus in der Region Kloto und gleichzeitig Hauptstützpunkt für die „Togo Mission 2016“ von „Mutualistes sans Frontières“.

An ihrem letzten Missionstag durfte ich sie begleiten und unterstützen.

Zuerst mussten die Patienten, die von dieser komplett kostenlosen Aktion gehört haben und in Scharen angereist sind, den allgemeinen Sehtest absolvieren. Danach wurden die

Augen von mehreren Augenärztinnen untersucht. Hier konnten schon viele Patienten mit der freudigen Nachricht: „Alles in Ordnung mit Ihren Augen!“ wieder nach Hause geschickt werden. Auffällige Patienten wurden weiter konsultiert und z.B. die genaue Sehstärke ermittelt. Das Optikerteam hat nun die Patienten mit Sehschwächen empfangen, ein passendes Brillengestell gemeinsam mit ihnen ausgesucht und Gläser der entsprechenden Sehstärke verteilt. Da die Maschine, um die Gläser direkt zuzuschneiden leider nicht in Betrieb zu setzen schien, wurden die Patienten mit dem neuen Brillengestell und den Gläsern zu einem lokalen Optiker geschickt.

Viele Menschen leiden hier in Togo aufgrund der starken Sonneneinstrahlung und dem vielen Staub und Dreck an Augenentzündungen (Konjunktivitis). Deshalb wurden viele Packungen Augentropfen und Sonnenbrillen mit einem hohen UV-Filter verteilt.

Der Katarakt (Grauer Star- Trübung der Augenlinse) und das Glaukom (Grüner Star- Verlust von Nervenfasern) sind auch hier die häufigsten Augenerkrankungen. Dunkelhäutige Menschen haben laut Statistik ein bis zu fünf Mal höheres Glaukom Risiko als Hellhäutige. Der Katarakt ist auch in Deutschland weit verbreitet und mit ca. 400.000 Fällen, die häufigste OP, die jährlich in Deutschland durchgeführt wird.

Bei den Zahnärzten habe ich nur mal kurz reingesehen, da ich dort als MTA natürlich nicht viel helfen konnte und auch nicht im Weg stehen wollte. Sie haben gemeinsam mit

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Das Zahnteam

togoischen Mitarbeitern viele (besonders ältere) Patientinnen und Patienten kostenlos versorgt, wobei zu etwa 95% Zähne gezogen werden mussten. Aus Geldgründen gehen die meisten Menschen hier in Togo nicht zur Zahnprophylaxe, sondern nur zum Zahnarzt, wenn gar nichts mehr hilft. Dann sind die Schmerzen meist so stark und die Schäden entsprechend groß, dass eine kurative Zahnbehandlung nicht mehr möglich ist und der Zahn gezogen werden muss. Aus diesem Grund gibt es auch nur sehr wenige Zahnärzte hier in Togo, nur in großen Städten und oftmals dann auch nur in einem Präfekturkrankenhaus. Niedergelassene Zahnärzte sind eine Rarität und wenn, dann nur in Lomé zu finden.

Von Anfang an wurde ich super freundlich ins Team der „Mutualistes sans Frontières“

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Mitarbeiter aufgenommen und durfte bei den Sehtests mithelfen. Wir hatten einen super spannenden Tag zusammen. Vielen Dank dafür 🙂

 

Kategorien: Allgemein, Blogbeiträge, März 2016 | Schlagwörter:

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